Direkt zum Hauptbereich

Warum ich unangenehme Fragen stelle…

Wir leben in einer Kultur der Toleranz. Jeder muss den anderen so annehmen wie er ist und darf auf keinen Fall irgendwelche Dinge ansprechen, die sich unangenehm anfühlen könnten. Wenn wir ein solches Denken in unsere Gemeinden importieren, dann hat das keine guten Auswirkungen. Als Geschwister in Christus werden wir dazu aufgefordert uns umeinander zu kümmern. Es heisst Verwarnt die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen jedermann (1.Thessalonicher 5,14). Es zeugt nicht von wahrer christlicher Liebe wenn ich mich nicht um meine Geschwister kümmere, mich für sie interessiere und eben, wenn nötig auch mal unangenehme Fragen stelle. Wann hat dich zum letzten Mal ein Bruder oder eine Schwester im Herrn angesprochen? Zum Beispiel: "Mir ist aufgefallen, dass du öfters gereizt mit deinen Kindern redest. Kann ich dir helfen in diesem Bereich Christus ähnlicher zu werden?" Oder, "Ich sehe dich immer mit einem traurigen Gesicht. Darf ich wissen was dich beschäftigt und womit du kämpfst?" Es ist nicht immer angenehm solche Fragen zu stellen, aber wir müssen diese Kunst erlernen. Ansonsten können unsere Beziehungen in der Gemeinde niemals tiefer werden. Lieber Leser, ich möchte dich ermutigen, zu lernen gute Fragen zu stellen, auch wenn es manchmal unangenehme sind. Hier sind mindestens sechs gute Gründe das zu tun:

1. Gott stellt Fragen
Jesus stellte öfters Fragen in seinem Dienst. In Lukas 7,41-42 stellt er die Frage an den Pharisäer, wer mehr lieben wird. In Johannes 8,10 stellt er der Ehebrecherin Fragen. In Matthäus 21,25 finden wir seine Frage an die Pharisäer wegen der Taufe des Johannes. Auch in Matthäus 16,15, da stellt er seine berühmte Frage an die Jünger: "Für wen haltet ihr mich?" Fragen stellen ist ein sehr effektives Kommunikationsmittel um seine Zuhörer mehr in die Thematik einzubeziehen die man ihnen vermitteln möchte. Wer Fragen stellt, sichert sich mehr Aufmerksamkeit von seinen Zuhörern. Jesus stellte Fragen, wir sollten es auch tun. Jesus ist allwissend, deshalb hatte er es nicht immer nötig Fragen zu stellen, sondern wusste schon was im Menschen ist (Johannes 2,25). Für uns ist das anders. Wir müssen Fragen stellen um herauszufinden was im anderen vorgeht. Tiefes Wasser ist das Vorhaben im Herzen eines Mannes; ein verständiger Mann aber schöpft es aus (Sprüche 20,5). Wir schöpfen dieses Wasser heraus, indem wir viele gute, wenn nötig auch unangenehme Fragen stellen. 

2. Fragen vertiefen deine Beziehung zum anderen
Wie bereits erwähnt, können Fragen zu "Brücken" werden für unsere Beziehungen in der Gemeinde. Wenn ich mit jemandem am Tisch sitze oder Zeit verbringe, nutze ich dann die Zeit um gute Fragen zu stellen? Initiiere ich ein Gespräch und will am Leben des anderen teilhaben? Oder rede ich nur von mir selbst? Vielleicht stelle ich auch gar keine Fragen und man schweigt sich eine halbe Stunde an. So wird nie eine Beziehung entstehen. Fragen können Brücken bauen. Auch wenn unangenehm, ist es doch besser die Frage zu stellen, als einfach abzuwarten um zu schauen ob die Person ihre Probleme selber in die Hand nehmen wird. Die Person nimmt die Dinge, die dir aufgefallen sind, offenbar nicht als Probleme wahr und wird deshalb auch nicht selber auf die Idee kommen etwas dagegen zu unternehmen.  

3. Fragen zeigen Interesse am anderen
Als Christen sind wir dazu aufgerufen den Nächsten zu lieben (Matthäus 22,39). Wenn ich Fragen stelle, zeige ich Interesse für meinen Nächsten. Ich zeige ihm damit, dass er mir wichtig ist und dass ich um sein Wohl besorgt bin. Es kommuniziert Liebe! Wenn wir keine Fragen stellen, zeigen wir damit nur unser Desinteresse und unsere Lieblosigkeit gegenüber unseren Geschwistern. Es ist sehr entscheidend, dass wir deshalb auch unangenehme Fragen stellen können. Wenn uns unsere Glaubensgeschwister wirklich am Herzen liegen, werden wir es nicht zulassen gleichgültig zu schweigen, während sie in Sünde leben oder anderweitig mit Schwierigkeiten kämpfen. Wir werden sie darauf ansprechen um herauszufinden wie es ihnen wirklich geht und wie wir eine Hilfe sein können in ihrem Leben. 

4. Fragen regen zum Nachdenken an
Gute Fragen bringen uns immer ins Nachdenken. In Lukas 7,42 lässt Jesus den Pharisäer eine Frage selber beantworten um ihn zu überführen. In Vers 44 fragt Jesus weiter, ob er diese Frau sieht, ob er sie wahrgenommen hat, denn der Pharisäer schaute verachtend auf sie herab (Vers 39). Jesus zeigte ihm, wie viel mehr Liebe diese Frau ihm erwies, weil sie wusste wieviel ihr vergeben werden musste. Wenn man mit mehreren Geschwistern zusammen ist, kann man auch eine Frage in den Raum stellen, um herauszufinden, wie sie über dieses oder jenes Thema denken. Wenn wir lernen auch unangenehme Fragen zu stellen, dann vertieft sich das Nachdenken weiter. Themen die sonst vielleicht keiner anspricht, aber irgendwie im Raum sind, kommen auf den Tisch und Klarheit kann einziehen. Es überführt vielleicht jemanden von seiner Sünde, es hilft jemandem über sein Leben nachzudenken und Dinge in Ordnung zu bringen. Oft ist es so, je unangenehmer die Frage, desto tiefer das Nachsinnen.

5. Fragen helfen uns, von uns selbst wegzuschauen
Wir alle kennen Menschen, die nur immer über sich selbst reden können oder überhaupt ohne Unterbruch reden. Andere dagegen, können mit dir am Tisch sitzen und dich eine Stunde lang anschweigen. Es ist mit beiden keine angenehme Erfahrung. Dazu kommt, dass beide Arten von Menschen Selbstsucht und Stolz kommunizieren. Man will keine Blöße zeigen oder sich verwundbar machen, man fürchtet sich etwas Falsches zu sagen oder man ist einfach bequem oder faul und mag nicht reden. Wenn wir lernen gute Fragen zu stellen, lernen wir auch von uns selbst wegzuschauen. Wenn wir gute Fragen stellen, lernen wir unseren Egoismus zu bezwingen und uns um den anderen zu bemühen. Ich muss seine Interessen herausfinden, worüber er reden will, und nicht worüber ich gerne reden möchte. Unangenehme Fragen gehen hier noch einen Schritt weiter. Ich überwinde mich nun auch noch dazu, mich mit den Problemen, Kämpfen und Schwierigkeiten des anderen auseinanderzusetzen.

6. Fragen zeugen von Demut
Manchmal sollten wir auch lernen zu fragen wenn wir etwas nicht wissen. Eine Person die nie eine Frage stellt, wirkt nicht nur lieblos und desinteressiert, sie wirkt auch sehr stolz. Es sieht danach aus, als wüsste diese Person alles und braucht niemanden in ihrem Leben der ihr hilft. Fragen kommunizieren deshalb auch Demut. Wenn ich jemandem eine ehrliche Frage stelle, dann möchte ich seine Meinung, seinen Rat, seine Sicht über eine bestimmte Sache erfahren. Es kann auch sein, dass ich selber gerne wissen möchte, wie der andere gewisse Schwierigkeiten gelöst hat, oder gelernt hat damit umzugehen. Wenn dies unangenehme Fragen sind, offenbart es auch etwas über meine persönlichen Probleme und Schwierigkeiten. Ich zeige dem anderen, dass ich nicht alles weiss, nicht vollkommen bin, dass mich seine Meinung interessiert, oder dass ich sogar seine Hilfe in Anspruch nehmen möchte.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wie bereite ich mich auf eine Predigt vor?

Einige Leser, die diesen Titel lesen, denken vielleicht da sie keine Prediger seien können sie diesen Artikel getrost ignorieren aber dem ist nicht so! Nun, es stimmt. Ein guter Prediger bereitet sich in einer Woche ungefährt 25 bis 30 Stunden auf eine Predigt vor. Er studiert den Text in den Ursprachen, studiert die Grammatik, betrachtet die ursprüngliche Kommunikationssituation und liest mehrere Kommentare, um seine eigene Exegese zu überprüfen. Er sucht nach interessanten Illustrationen und Anwendungen damit die Predigt beim Hörer auch "sitzen bleibt". Er betet viel dafür, dass der Heilige Geist, durch die Auslegung seines Wortes zu seiner Gemeinde spricht um sie zu erbauen. Dies alles tut der Prediger. Aber was ist denn eigentlich mit den Zuhörern? Haben die nichts zu tun? Kommen die einfach jeden Sonntagmorgen, vom letzten Ausgeh-Abend am Samstag noch halb verschlafen, in den Gottesdienst, um sich einmal mehr zu fragen, warum sie sich das überhaupt anhören? Leider wir...

Luxussünden unserer Zeit Teil 2

Wir haben beim letzten Mal damit begonnen, die „Luxussünden“ unserer Zeit zu betrachten, und wie wir in eine „Spirale“ gezogen werden können die immer weiter nach unten ins „Loch“ führen kann. Wie können wir aber dem Dilemma entfliehen? Was sind die biblischen Schritte aus dieser Problematik der Faulheit, Disziplinlosigkeit und Undankbarkeit? Entsprechend der Spirale „nach unten“ gibt es nun auch eine „nach oben“ zurück zur Gottesfurcht, Gehorsam und Heiligung. An dieser Stelle muss natürlich betont werden, dass das nur geht, wenn du ein wiedergeborener Christ bist. Ansonsten musst du erst Buße tun über deine Sünde und umkehren. Du musst erst an Jesus Christus, den Sohn Gottes glauben, dass er gekommen ist um am Kreuz für unsere Sünde zu sterben, damit jeder der an ihn glaubt ewiges Leben empfangen kann. Wenn du nun ein Gläubiger bist, dann hat Gott dir den Heiligen Geist in dein Inneres gegeben, so dass du die unten genannten Schritte in Seiner Kraft gehen kannst. Also hier sind fü...

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Unter Christen, vor allem auch unter Jugendlichen in christlichen Kreisen, wird immer wieder die Frage heiss diskutiert, wie man denn nun seinen Partner fürs Leben finden kann. Worauf muss ich achten? Was gibt es für mögliche Stolpersteine und Fallen vor denen ich mich hüten sollte? Wie kann hier in Gottesfurcht und Weisheit gehandelt werden? Es muss beachtet werden, dass die Bibel in einer Zeit geschrieben wurde, in der es oft nicht möglich war einen Partner selbst zu wählen. Die Ehen wurden arrangiert. Männer "nahmen" sich Frauen, oder die Eltern entschieden welche Frau sie dem Sohn geben würden (1.Mose 21,21; 38,6; 5.Mose 24,1; 25,5-10; Richter 14,7-8; 1.Korinther 7,1). In manchen Fällen durfte die Frau auch mitreden, beispielsweise im Fall von Rebekka (1.Mo.24,8) aber oft hatte die Frau keine große Wahl. Im antiken Israel, sowie auch in der Griechisch-Römischen Kultur des ersten Jahrhunderts, gab es keine "Gleichberechtigung" so wie wir das heute kennen. ...